Themen und Arbeitsgruppen

 

Beim dritten lokalen Düsseldorfer Fankongress wird es zwei Zeitblöcke geben, in denen jeweils fünf Arbeitsgruppen stattfinden.

 

Block 1:

Ultrakultur

Besteht aus den ursprünglich geplanten Themen „Was ist Ultra, Wer ist Ultra“ und „Ist die Zeit der Ultras vorbei?“.

Der Begriff Ultra soll dem normalen Fan näher gebracht werden, aber auch für junge Ultras und Ultraorientierte soll die Gruppe genug Gesprächsstoff bieten.

Kritische Betrachtung der aktuellen Fankultur und des stattfindenden Wandels. Fankultur hat sich über die Jahre immer wieder gewandelt, seit circa 15 Jahren sind Ultras die tonangebenden Gruppen. Durch die starke Ausdifferenzierung des Begriffs Ultra in Deutschland und die damit einsetzende Veränderung der Gruppen- und Kurvenstrukturen, bei gleichzeitigen ständigen Konflikten mit Verein, Verbänden und Polizei, sehen manche einen neuen Wandel in der Fankultur anbrechen.

 

Selbstkritik und Selbstbetrug – wie sehen Fans sich selbst?

Während in den Medien oft nur die, als einseitig empfundenen, Pressemitteilungen der Polizei ihren Platz finden, lesen sich auch die meisten Stellungnahmen von Fans sehr einseitig. Die oft unterstellte fehlende Kritikfähigkeit auf Seiten von Polizei, Verbänden und Vereinen, wird umgekehrt auch bei den Fans vermisst. Wie kommt es, dass viele Fangruppen und Verbände sich entweder als komplett unschuldig darstellen oder lieber gar nichts schreiben, es aber nur sehr selten ausgewogene und auch selbstkritische Stellungnahmen gibt? Auch der Ruf „Fußballfans sind keine Verbrecher“ als Begleitung von Polizeieinsätzen nach Straftaten (Gewalt, eingeworfene Scheiben von Bahnen oder Bussen) zeigt dieses Eigenbild des Unschuldigen.

 

Das Verhältnis zwischen Polizei und Fans in Düsseldorf

Das Verhältnis zwischen Polizei und Fans wird bundesweit von vielen Seiten immer wieder als stark belastet, wenn nicht sogar als verfeindet bezeichnet. Doch während an anderen Standorten kein Dialog mehr zwischen Fans und Polizei stattfindet, gibt es in Düsseldorf einen regelmäßigen Austausch, nicht nur in den Halbzeitpausen. Themen könnten sein ob das Verhältnis in Düsseldorf wirklich weniger belastet ist als an anderen Standorten und woran es liegt.

 

Grenzen Marketing – welche Mittel sind akzeptabel? Welche Absprachen sind möglich, wie werden diese Eingehalten?

Nach den letzten Fankongressen gab es immer wieder Unmut, dass getroffene Absprachen bezüglich Werbung im Stadion nicht eingehalten wurden. Die Grenzen, welche Werbemittel und –flächen akzeptabel  sind und welche nicht, sind auch unter den organisierten Fans nicht eindeutig geklärt. Auch vom Verein gibt es definierte Grenzen und bestimmte Vorstellungen wie mit der „Marke Fortuna“ umzugehen ist.

 

Vereinsidentität – Findung, Entwicklung

Wofür steht Fortuna Düsseldorf, welche Werte definieren den Verein? Kann die Einzigartigkeit formuliert werden? Während der Mitgliederversammlung 2014 wurde auch von einem Fortuna Leitbild gesprochen, das es ja bisher noch nicht wirklich fixiert gibt. Gibt es überhaupt DAS eine Leit- oder Wertebild? Kann das Leitbild des Vereinsmanagements dasselbe sein, wie das aus der Fanszene? Wer und was soll mit einem Fortuna-Wertebild erreicht werden? Diese Arbeitsgruppe soll helfen einen Weg zu finden, um ein Fortuna Düsseldorf Leit- und/oder Wertebild zu entwickeln

 

Block 2:

Stimmung

Wie kann die Stimmung gefördert oder verbessert werden. Welche Gesänge und Melodien funktionieren besser und warum? Was wird im Stadion in Düsseldorf von der breiten Masse akzeptiert und übernommen. Soll diese breite Masse überhaupt erreicht werden? Wie wirken sich die zwei verschiedenen Stimmungskerne aus?

 

Fanrechte, Menschenrechte

Fußballfans fühlen sich, grade bei Auswärtsspielen, oft als Menschen zweiter Klasse und ihrer Menschenrechte beraubt. Gleichzeitig nehmen sie sich auch Rechte heraus, da sie in großen Gruppen reisen, die einzelne Bürger nicht haben. Zu besprechen wären Ursachen, Umgang und Lösungsmöglichkeiten. Polizeiliche Maßnahmen, deren Gesetzesgrundlage und die Wünsche von Fans prallen hier aufeinander.

 

Wie kann ein verbindlicher Dialog zwischen Fans und Verein aussehen?

Antrag 2 des DFL-Papiers „Sicheres Stadionerlebnis“ schreibt den Vereinen vor, nach besten Kräften einen offenen, regelmäßigen und verbindlichen Dialog mit der organisierten Fanszene zu etablieren.  Wie stellen sich Fans und Verein diesen Dialog vor, welche Vorstellungen müssen erfüllt sein, um ihn zu etablieren? Wie kann die gesamte organisierte Fanszene mit ihren vielen verschiedenen Organisationsformen, Grüppchen und Meinungen in diesem Dialog auftreten und eingebunden werden? Wie können Interessen von nicht organisierten Fans in diesem Dialog vertreten werden?

 

Merch – Verein und Fans

Besteht aus den ursprünglich geplanten Themen „Vereinslogo/CI“ und „Umgang mit den Vereinsfarben beim Merch“.

Wie dürfen Fans und Verein das Vereinslogo nutzen, wie sieht die Corporate Identity aus und welcher Umgang ist damit erlaubt oder gewünscht.

Immer wieder wird beklagt, dass es zu wenig Rot-Weiße Merchandiseartikel gibt, während viele schwarze Artikel existieren. Natürlich ist die Auswahl der angebotenen Artikel der Erfahrung mit den Verkaufszahlen geschuldet, doch eventuell können die ideellen und finanziellen Interessen des Vereins mit kreativen Ideen besser in Einklang gebracht werden.

 

Integration Neufans

Die erfolgreiche Arbeitsgruppe wird weiter fortgeführt. Die Anmeldung ist nur für bisherige Teilnehmer der Arbeitsgruppe möglich.

 

 

Initialvortrag und Diskussion:

Der Vortrag soll explizit zur Diskussion anregen und Reizpunkte setzen.

 

Fankulturkampf! – Das Fußballstadion als politischer Ort

 

Ob Berichte über spektakuläre Aktionen von Neonazis oder die vermeintlich zunehmende Gewalt in deutschen Stadien – der Fußball steht nicht nur aufgrund von sportlichen Leistungen im Zentrum der medialen Aufmerksamkeit. Für Schlagzeilen sorgt auch der gegenwärtige >Fankulturkampf< zwischen antirassistischen Ultragruppen und rechten Hooligans. Nicht nur die jüngsten Aufmärsche der „Hooligans gegen Salafisten“ (Hogesa) in Köln und Hannover verdeutlichen dabei die oftmals verdrängte politische Dimension des populärsten deutschen Massensports. Gerne wird von Funktionären und Journalisten die Redewendung bemüht, dass der Fußball halt ein „Spiegel der Gesellschaft“ sei. Doch stimmt dies überhaupt? Unsere Fragen sind ebenso vielschichtig wie umstritten: Inwieweit sind Fußballfans politische Akteure? Hat tatsächlich ein Kulturkampf zwischen den Fanszenen begonnen? Gibt es eine Rückkehr der Hooligans? Und was steckt vor diesem Hintergrund hinter der häufig angestimmten Losung „Fußball ist Fußball und Politik bleibt Politik“?

 

Der Vortrag nimmt Fußballfans als politische Akteure ernst und analysiert die jüngsten Auseinandersetzungen in den deutschen Fanszenen.

 

Zur Person:

 

Richard Gebhardt erforscht als Publizist und Politischer Bildner die politische Kultur in Deutschland. Zahlreiche Buch-, Zeitungs- und Zeitschriftenveröffentlichungen zu den Themen „Extreme und Neue Rechte in Deutschland“ sowie „Fußball und Gesellschaftspolitik“. Er lebt und arbeitet in Aachen. Jüngst erschien die Kurzanalyse „Die Mär vom unpolitischen Hooligan“:

https://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2015/januar/die-maer-vom-unpolitischen-hooligan

 

 

 

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